Bienenwohnungen

Wo und wie würden Honigbienen wohnen?

Wenn sie könnten, wie sie wollten?

Bienen stellen keine großen Ansprüche an ihren Wohnraum. Eigentlich genügt ihnen ein ausreichend großer und trockener Hohlraum. Wenn der noch geschützt mitten in einer dauerhaft blühenden Pflanzenwelt steht, ist das Bienen-Glück perfekt.

Die Behausung selbst könnte ein hohler Baumstamm oder eine geschlossene leere Kiste auf dem Dachboden einer Scheune sein.  Hätten sie die Wahl, würden Bienen lieber höher wohnen.

Die Qual der Wahl auf dem großen Markt der unterschiedlichsten Bienenimmobilien hat nur der Bienenhüter oder der Imker. Denn er will alle Arbeiten an den Bienen möglichst einfach und komfortabel durchführen können. Das fängt bei Beförderung und der Aufstellung des neuen Bienenzuhauses an, geht weiter über die Pflege der Bienen selbst, bis hin zur Entnahme des Honigs. Welche Möglichkeiten es dort mittlerweile gibt, ist unter „Beuten und mehr“ beschrieben.

Aber zurück zu den Ansprüchen der Bienen. Die sollten am einfachsten herauszufinden sein, wenn man wildlebende Bienen besuchen würde. Und genau das ist schwer, denn wildlebenden Honigbienen-Völker sind schwer zu finden. Bei uns findet man Honigbienen fast ausschließlich in der Obhut eines Bienenhüters oder Imkers. Die „echten Wildbienen“ bilden keine Völker, sondern leben als Einzelgänger (Solitärbienen).

Wildlebenden Honigbienen-Völker gibt es noch in Polen und im Ural. So richtig wildlebend sind die auch nicht, weil sie bei der Wohnungsbeschaffung Unterstützung durch die Zeidler erhalten.

Als Zeidler werden Bienenhüter bezeichnet, deren Völker „frei“ in teilweise ausgehöhlten Baumstämmen leben. Das Aushöhlen der Baumstämme besorgt der Zeidler und nimmt sich dafür als Gegenleistung den Honig. Damit er später einfacher an den Honig kommt, verschließt er den Hohlraum so, das er ihn später wieder öffnen kann.  Eine sehr interessante Dokumentation des polnischen Filmemachers Krystian Matysek -„Loxcy miodu“ dazu ist auf Arte erschienen. Dort sieht man die Arbeitsweise der Zeidler in Polen und im Ural, wie sie heute noch praktiziert wird. Natürlich auch mit einem Einblick in die ausgehöhlten Baumstämme.

Wenn ich richtig aufgepasst haben, befinden sich die „Baumhöhlen der Bienen“ in einer Höhe von 4-5 Meter. Der Eingang befindet sich unteren Bereich des Hohlraums. Die Bienen bauen ihre Waben von oben nach unten in großen ovalen Scheiben. Wobei der Honigvorrat im Gegensatz zu der Bienenhaltung in Beuten im unteren Bereich eingelagert wird. Der komplette Bereich darüber wird für die Brutzellen genutzt.

Anders herum würde das in einem frei gestaltbaren Raum auch nicht funktionieren. Unsere Bienen machen es quasi genauso, wenn man ihnen ein freies Rähmchen, d.h. ein Rahmen ohne Mittelwand (z.B. als Drohenrahmen) bereitstellt. Innerhalb des Rahmens werden die Waben auch von oben nach unten angelegt. Das die zuerst ausgebauten Waben die Brutwaben sind, ist auch logisch. Schließlich benötigt die Königin immer neue Arbeiterinnen. Erst wenn genug Brutwaben produziert sind, werden die Honigvorratswaben angelegt. Die sind in einer von Bienen freigestaltbaren Wohnung dann natürlich unten.

Für die Zeidler wird die Honigernte damit auch leichter. Sie brechen einfach den unteren Teil der Honigzellen der Wabe ab. Die Brutwaben bleiben so intakt. Wird von den Bienen neuer Honig eingetragen, können sie vorher nach unten wieder neue Honigzellen anbauen.

Bienen in der Beute können das neue Zuhause gar nicht anders gestalten. Der Bienenhüter oder Imker baut neuen Raum bei Beuten als ganze Zarge immer oben an.Darum ist auch der Honigraum, der als letztes angebaut wird immer oben.

Aber da sieht man mal wieder, wie gut Bienen improvisieren können und versuchen das Beste aus dem machen, was sie vor finden.